Indirekte Nutzung + SAPs “Global License Audit and Compliance Update”

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Letzte Woche hat SAP neue Richtlinien zur Indirekten Nutzung (jetzt Digital Access genannt) herausgebracht. Die neue Lizenzierung beruht auf neun Typen von Dokumenten-Typen, die Kunden bald lizenzieren müssen. Bestehende Kunden haben die Option ‚nichts zu tun‘ und weiterhin ihre Lizenzen wie bisher zu nutzen. Klingt interessant – aber haben Sie schon das Kleingedruckte gelesen?

Ab November wird SAP automatisch während der jährlichen Vermessung durch ihr USMM Tool aufspüren, welche der neun Dokumenttypen Sie nutzen. Die Offenlegung von indirekter Nutzung bringt SAP in die einmalige Position, Kunden routinemäßig zu einer Diskussion über ihre Compliance zu zwingen. Im offiziellen Dokument “SAP Global License Audit and Compliance Update” legt SAP dar, wie die Zukunft in Sachen Lizenzierung und Audit aussieht. Die kritischen Stellen möchten wir Ihnen an dieser Stelle gerne erklären.

Bild 1: Entscheidungsfindung für Lizenzauditoren, um indirekte Nutzung aufzudecken

Wann wird ein Audit durchgeführt? Alle Lizenz-Audits beginnen aufgrund einer dieser Kriterien:

Analysekriterien: z.B.: Zeit, die vergangen ist, seit das letzte Audit oder der letzte Lizenzkauf (Cloud) getätigt wurde
Proaktiver Beginn: z.B.: Audit-Kampagnen, die auf bestimmte Industriezweige oder Fusions-/Kaufaktivitäten abzielen
Reaktiver Beginn: z.B.: bei einem Wechsel zu einem neuen Lizenzmodell oder einer Cloud-Erweiterung
Stichproben

Ist die Trennung zwischen Sales und Audit Teams nichts weiter als ein PR-Trick?

Im letzten Update hat SAP ebenfalls bekannt gegeben, das Sales und Audit Team voneinander zu trennen, um Missbrauch zu verhindern. Tatsächlich ist es aber so, dass die oben genannten Kriterien routinemäßig Audits auslösen werden. Alles beruhend auf Interaktionen mit dem Sales Team von SAP. Wir befürchten, dass die Trennung zwischen Sales und Audit Teams nur auf dem Papier besteht. Das Ganze dient wahrscheinlich nur als PR-Trick, um frustrierten Nutzer etwas zu besänftigen, hat aber keinerlei wirkliche Konsequenzen. Wir werden die Situation aber weiterhin beobachten und nach Erfahrungen von Nutzern fragen.

Ein Unglück kommt selten allein

Die Änderungen sind gleich ein mehrfaches Übel für SAP Nutzer. Die Option für bestehende Kunden bezüglich der neuen Lizenzierung ‚nichts zu tun‘, ist kein ‚Entgegenkommen‘ SAPs, sondern schlichtweg ein Täuschungsmanöver. Wer sich als Kunde heute noch in Sicherheit wähnt, wird bei der nächsten USMM Vermessung eines besseren belehrt: SAP wird hier die Chance nutzen und die jeweiligen User nach den Vermessungsergebnissen zu einem Lizenztausch ‚zwingen‘. Wir erklären Ihnen, welches Risiko diese Entwicklung trägt:

1. Bei der nächsten jährlichen Vermessung kann SAP automatisch Indirekte Nutzung erkennen und vermessen

2. Wenn Sie sich dazu entscheiden ‚nichts zu tun‘, gilt SAPs Angebot der Wartung nicht für Sie. Dadurch geben Sie SAP mehr Einfluss bei den nächsten Verhandlungen

3. Wenn SAP Sie erst einmal mit Ihrer Indirekten Nutzungs-Gefahr konfrontiert, werden Sie dazu verleitet sein, die neue dokumentenbasierte Lizenzierung zu akzeptieren

4. SAP wird Sie damit überrumpeln, einem Lizenztausch zuzustimmen. Das Alles bevor Sie überhaupt die Chance hatten, Ihre eigenen Lizenzen unter die Lupe zu nehmen (das tun Sie am besten, indem Sie 1. Ihren Vertrag und Ihren aktuellen Lizenzbestand genau untersuchen, 2. Ihren Lizenzverbrauch optimieren, und 3. festlegen, wie Sie optimal nicht genutzten Lizenzen eintauschen)

5. Wenn Ihr Vertrag für das neue Lizenzmodell umstrukturiert wird, werden dabei wahrscheinlich neue Passagen (zum Beispiel eine verbindliche Lizenzierung nach Berechtigungen) eingebaut, die alte, nützliche Regelungen überschreiben

6. Noch während der Lizenzverhandlung fällt Ihnen dann auf, dass doch alles sehr viel mehr kostet und sich die Vertragsänderungen schwieriger gestalten als gedacht. Die Lösung? SAP wird bei dieser Problematik vorschlagen, direkt auf S/4HANA zu wechseln, um die Compliance auf schnellstmögliche Weise wiederherzustellen.

Zusammengefasst: Ein von SAP initiierter Lizenzwechsel wird alte Vorteile in Ihrem Vertrag überschreiben. Diese Änderungen ermöglichen SAP neue Audit-Möglichkeiten. Zudem werden Sie für indirekte Nutzung zahlen, auch wenn Sie es in der Vergangenheit nicht getan haben. Zum Schluss steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie unaufgefordert in eine S/4HANA-Migration hineingedrängt werden.

Kein SAP Vertrag gleicht dem anderen

Es ist eigentlich ganz einfach zu verstehen, warum SAP so erpicht darauf ist, Nutzerverträge weiter zu vereinheitlichen: viele Vereinbarungen sind schon einige Jahrzehnte alt und beinhalten teilweise Passagen, die nicht mehr zu neuen Technologien, wie beispielsweise der Cloud, passen. Die Tatsache, dass keine zwei SAP Verträge, die wir im Laufe der Jahre gesehen haben, gleich sind, macht SAP bestimmt zu schaffen. Deren Ziel ist es ja, so viele Unternehmen wie möglich zur S/4HANA Migration zu bringen, bevor die Frist 2024 vorbei ist.

SAP hat daran gearbeitet, die Lizenzierung von indirekter Nutzung transparenter zu machen – das ist tatsächlich ein großer Vorteil für neue Kunden. Dagegen waren bisherige Kunden in Sachen indirekter Nutzung schon immer unzufrieden wegen der offensichtlichen Geldgier und der Schikane, die von SAP ausgehen. Eine ideale Dauer-Lösung hätte den Schwerpunkt auf die Zufriedenheit der Kunden legen sollen. Bestehende Kunden hätten aus den neuen Regelungen zur indirekten Nutzung herausgenommen werden sollen, solange sie noch nicht zu S/4HANA gewechselt sind. Die jetzige Lösung ist unserer Meinung nach zu kurz gedacht.

Als aktueller SAP Kunde können Sie trotz allem erfolgreich aus einer Lizenzverhandlung hervorgehen. samQ optimiert vollautomatisch Ihre SAP-Landschaft – damit haben Sie objektive Daten, um einerseits eine gute Verhandlungssituation zu haben und andererseits optimal auf mögliche Lizenzänderungen vorbereitet zu sein.

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